Putzen lieben

Wenn ich das so ausspreche weiten sich Augen, bilden sich Stirnfalten und Mundwinkel werden spöttisch nach unten gezogen... wer "putzt" schon gerne? Und wie um Himmels Willen soll man es sogar auch noch lieben??

 

Die Vorgeschichte dazu begann vor ca 3 Monaten, als eine Freundin mich fragte, ob ich eine Referentin der Waldorfschule hier beherbergen könne? Sie scheint eine interessante Frau zu sein sagte meine Freundin und so kam es, dass ich Linda Thomas hier zu Gast hatte und für 4 Tage in ihre Energie und ihre Liebe zum Putzen eintauchen durfte. Linda putzt nicht mehr, sie pflegt. Und wenn ich etwas pflege, dann gebe ich der Tätigkeit gleich eine andere Bedeutung. Und ist es nicht überall so - meine Sicht auf die Dinge bestimmt meine Einstellung zu ihnen. Wenn ich mein Haus und meine Sachen pflege, dann ist darin eine gewisse Wertschätzung, eine Liebe zu den Dingen, die ich trage, in denen ich lebe. Wenn ich "pflege", dann fällt es mir sehr viel leichter, nur noch das zu behalten, das ich auch wirklich liebe und damit auch pflegen mag.

In vielen spirituellen Traditionen wird gerade in diesen scheinbar unliebsamen Dingen die Achtsamkeit geschult. Alle Mönche müssen durch Putzen und Kochen etc. ihren Geist schulen.

Linda Thomas betrachtet es auch aus dem Blickwinkel von Energien, was macht ein schöner und aufgeräumter Raum mit den Menschen, die ihn betreten und wie sehr wertschätze ich mich selber, wenn ich zu viel Chaos entstehen lasse? Sind meine Räume meiner würdig? Sie stellt viele interessante Fragen, die einladen, um wieder einmal vieles zu überdenken und in einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Für mich war sie ein Geschenk Gottes, etwas, das mir einfach zugefallen ist und mir in vielen Bereichen neue Inspiration gebracht hat. Mit ihrem Anstoß lerne ich gerade Papierkram und Grundsteuererklärungen mögen... lieben wäre noch übertrieben, aber ich nähere mich an... aber das ist eine andere Geschichte.